Warum Türkisch lernen?

 

festkorbeTürkisch - eine Umgangssprache in Deutschland

Türkisch ist die zweitwichtigste Umgangssprache in Deutschland. Mit nahezu drei Millionen türkischsprachigen BewohnerInnen und BesucherInnen in Deutschland ist Türkisch eine der wichtigsten Minderheitssprachen geworden. In den Großstädten kann man jeden Tag in U-Bahn und Bus Türkisch hören.

 

Ethnomarketing

Fast ein Fünftel der deutschen Bevölkerung, rund 15 Millionen Menschen, hat einen Migrationshintergrund. Tendenz steigend. Allein die 2.5 Millionen Einwohner türkischer Abstammung haben eine Kaufkraft von etwa 17 Mrd. Euro – das entspricht der Kaufkraft des Saarlands. Zudem sind Internetnutzer mit Migrationshintergrund besonders aktiv im Internet. Sie kommunizieren und informieren sich online, nutzen das Internet für ihren deutschen Alltag und als Brücke zum Heimatland oder dem Land ihrer Eltern. Türkische Migranten sind eine Zielgruppe, die noch Bedarf an Konsum und länderübergreifende Wünsche hat. 

 

Der transnationale Raum Deutschland-Türkei 

"Der Blick auf den Nationalstaat reicht nicht aus, um das Verhältnis zwischen der Türkei und Deutschland zu erfassen. Es gibt eine große Zahl durch die Zivilgesellschaften geknüpfter Netzwerke. Dieser transnationale deutsch-türkische Raum wirkt sich auf die Lebenswirklichkeit in beiden Ländern aus..."

Quellen:

Bundeszentrale für politische Bildung

Türkischstämmige Hochqualifizierte verlassen Deutschland

Stellungnahme und Zahlen des Auswärtigen Amtes

 

Fachkenntnisse für die Parallelgesellschaften 

Doch entwickeln sich auch Parallelgesellschaften: Das Türkische kommt bei Deutschen aus diversen Gründen nicht an. Auch brauchen Türkischsprachige kein Deutsch mehr zu lernen, weil sie im Wohnviertel zum türkischen Lebensmittelhändler, Friseur und zur Autoreparaturwerkstatt gehen und dort auf Türkisch bedient werden.

 

Moderne Türkei

Wer und welche einmal in der Türkei gewesen ist, merkt dass die Türkei ein moderner, aufstrebender Staat ist, und in Deutschland ein verzerrtes Bild herrscht, das immer noch von Orientalismen des 19. Jahrhunderts geprägt ist.

 

Stockende EU-Integration

Wegen gerade dieser wahrnehmbaren Verständigungsprobleme zwischen der deutschen Mehrheitsbevölkerung und der türkischen Bevölkerung in Deutschland bei gleichzeitig sich schleppenden Beitrittsverhandlungen zwischen der Türkei und der Europäischen Union ist interkulturelle Kompetenz und sprachliches Einfühlungsvermögen dringend nötig.

 

Es ist gar nicht so schwer...

Das Türkische ist gerade für Deutsche gar nicht so schwer. Die Aussprache beider Sprachen ähnelt sich, da sie im Gegensatz zum Englischen die gleichen Vokale ö und ü haben. Auch das türkische i ohne Punkt ist in der deutschen Sprache als Laut geläufig, allerdings unbetont.

Trotz der Türkisierung des Türkischen seit dem Staatsgründer Atatürk enthält die türkische Sprache noch viele lexikalische und grammatische Einflüsse aus dem Persischen und Arabischen.

Mit Türkisch erschließt sich also auch zu Teilen der arabische und persische Wortschatz und die Kultur einer ganzen Region, die Europa immer näher rückt.

Dank der Schriftumstellung der jungen türkischen Republik in den 20er Jahren vom Arabischen auf das lateinische Alphabet gibt es keinerlei Schwierigkeiten, Türkisch zu lesen. Es wird gesprochen, wie es geschrieben steht.

Allerdings ist die Satzmelodie recht anders und alles, was im Deutschen hinten angestellt wird, läuft im Türkischen voraus, einschließlich ganzer Nebensatzkonstruktionen - die eigentlich Partizipialkonstruktionen sind. Dieses Prinzip ist wohl die größte Umgewöhnung. Vorteil: Es müssen keine unregelmäßigen Stammformen gebüffelt werden. Die Verb- und Zeitenbildung verläuft ausnahmslos regelmäßig.

Eine gewisse Schwierigkeit sind die Wörter, die sich nicht wie im Englischen mit Deutsch vergleichen lassen, sondern von sich aus erst mal gelernt sein wollen.

Türkisch ist durch die bestechend grammatische Regelmäßigkeit logischer als Latein und Arabisch. Die Behauptung der Althumanisten, dass Latein das logische Denken fördern würde, halte ich für Unkenntnis außereuropäischer Sprachen und gerade des Türkischen.

Nur die europäische Tradition und Geschichte rechtfertigt das Büffeln des toten Lateins, sonst wäre Türkisch als Schulfach sicher zweckmäßiger, lebendiger und lebenspraktischer.

 

Die gastfreundliche Türkei

In der Türkei ins Gespräch zu kommen, ist für Ausländer darüber hinaus leichter, um gleich das Gelernte zu praktizieren, und die Freude auf der einheimischen Seite über die ersten Sprechversuche von AusländerInnen ist oft noch herzlich und ehrlich.

 

Noch mehr Gründe

Türkisch ist die fünftwichtigste Weltsprache.

70 Millionen Menschen sprechen Türkisch als Muttersprache. Hinzu kommt, dass die Türkei eines der wirtschaftlich stärksten Länder in ihrer Region ist. Seit dem Zerfall der Sowjetunion wurden enge Kontakte zu den vielen ehemaligen Sowjetrepubliken, jetzt unabhängigen Staaten, geknüpft, wirtschaftlicher und politischer Art. Türkisch gehört zur Gruppe der Turksprachen. Schon jetzt gibt es mehr als 150 Millionen, die Türkisch als Muttersprache sprechen und 30 Millionen ZweitsprachlerInnen. 

istanbuleminonutaxiskDie wichtigsten Turksprachen neben dem Türkischen sind Aserbaidschanisch (30 Mio.), Usbekisch (24 Mio) und Kasachisch (11 Mio.). Bis nach China zu den Uyguren und Russland zieht sich die Sprachfamilie hin. Fachleute gehen davon aus, dass die Türkei in wenigen Jahrzehnten das Schlüsselland in der gesamten Region ist. Hat man die Turksprachen in der Gesamtheit im Blick ist Türkisch nach Englisch, Spanisch, Arabisch und Chinesisch die fünft wichtigste Sprache der Welt. Türkisch ist mit dem Japanischen und Koreanischen verwandt und allen Arabisch Sprechenden kommt noch 60 % des Türkischen als Osmanisch bekannt vor.

   
© 2016 Irene Kober